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Window Dressing: Beim Schwiegermutter-Besuch und bei Fonds besser in den Keller schauen…

Window Dressing – gerade rund um die Vorweihnachtszeit hört man diesen Begriff fast so häufig wie die Ankündigung des Besuchs der Schwiegermutter… Vermeiden lässt sich meist beides nicht und tatsächlich gibt es hier sogar eine Gemeinsamkeit – was genau, verraten wir im Video. Ob sich der Effekt des Window Dressings auch wirklich gewinnbringend nutzen lässt und warum Window Dressing dieses Jahr nicht so oft vorkommt, hat unsere cxx-Redaktion für Sie im Artikel zusammengefasst…

Ein zum Jahresende häufig genannter Begriff ist das Window Dressing: Gemeint ist damit, dass Fondsmanager ihre Portfolios im Dezember noch einmal aufhübschen, indem sie die Aktien-Gewinner des Jahres kaufen und die Verlierer verkaufen. Ganz nach dem Motto: Seht her, wir hatten die besten Aktien des Jahres im Portfolio. Also ein bisschen so, als würde man kurz vor dem Besuch der Schwiegermutter nochmal die Wohnung putzen und dekorieren. Doch wie stark wirkt sich dieser Effekt wirklich auf die Kurse aus? Jedes Jahr fragen sich Privatanleger, ob sie mit einer Window-Dressing-Strategie in den letzten Handelswochen des Jahres noch einmal Kasse machen können. Doch ist das wirklich eine gute Idee?

Studie: Saisonale Effekte lassen nach

Schauen wir einfach mal auf die DAX-Gewinner des Jahres 2017. Damals hängten Lufthansa, Commerzbank und RWE alle anderen Aktien ab. Und 2018? Lediglich RWE schaffte es 2018, die positive Tendenz zu bestätigen und erreichte (Stand: 16.12.2018) ebenfalls eine positive Jahresrendite von knapp 15 Prozent. Eher mies dagegen der Kursverlauf bei Lufthansa: Die Aktie ist mit einem Rückgang um satte 36 Prozent im Sinkflug. Einen wahren Crash hat der ehemalige Jahresgewinner Commerzbank hingelegt: Neben einem bisherigen Jahresverlust von knapp 47 Prozent ist die ehemals stolze Bank sogar aus dem DAX geflogen und dümpelt nun in der zweiten Börsenliga herum.

Und wie steht es langfristig um den Effekt des Window Dressings? Eine Studie des Flossbach von Storch Research Instituts mit dem Titel „Investieren nach Kalender? Saisonalitäten am Aktienmarkt“ hat die Aktienkursverläufe aller börsennotierten Unternehmen der G7-Staaten zwischen 1973 und 2016 untersucht. Das Fazit: Saisonale Effekte haben über die Jahre mehr und mehr abgenommen. Die Analysten führen dies auf eine gestiegene Informationseffizienz zurück. Zwar seien Kapitalmärkte auch heute noch lange nicht durchgängig effizient, jedoch würden saisonale Effekte mal stärker und mal schwächer ausfallen. Sie ließen sich daher nur schwer absehen und daher nicht in eine Anlagestrategie integrieren, so die Autoren.

Kosmetik wirkt nur kurzfristig

Zwar gibt es noch immer Fondsmanager, die ihre Portfolios zum Jahresende hin aufhübschen, doch bleibt dieser positive Kurseffekt in den meisten Fällen kurzfristig. Denkt man nochmal an die Schwiegermutter, die zu Besuch kommt, könnte man hier sagen: Denkt daran, nicht nur die Wohnung muss top in Schuss sein, sondern auch der Keller! Im laufenden Jahr kommen auch noch Störfaktoren, wie der drohende unkontrollierte Brexit, die schwächelnde Konjunktur und das seit einigen Wochen wieder angespannte Börsenumfeld hinzu. Privatanleger tun gerade während turbulenter Börsenphasen gut daran, dem Markt kein Schnippchen schlagen zu wollen und sollten sich auf den zuverlässigsten Erfolgs-Faktor für Aktieninvestments verlassen: Qualität.



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