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Discovered: Warum Luxemburg zum Unternehmer-Mekka wird

Neue Steuergesetze in Luxemburg? Klingt wie der berühmte Sack Reis in China – und selbst der scheint im Internet mehr Anklang zu finden. Was fast unter dem Radar fliegt sollte aber für Deutschland Signalwirkung haben, meint CAPSENSIXX-CEO Sven Ulbrich – die Erklärung dazu gibt’s im Video. Worum es bei den neuen Gesetzen genau geht, hat die Redaktion von CXX.World im Artikel für Sie zusammengefasst.

Luxemburg hat ein neues Haushaltsgesetz verabschiedet. Für sich betrachtet ist das noch keine besonders spannende Nachricht. Doch im Zuge der Maßnahmen hat das kleine Land auch seine Gesetzgebung für Unternehmen reformiert. Neben einem geringeren Körperschaftssteuersatz von 17 statt bislang 18 Prozent fällt vor allem die komplette Überarbeitung der Steuergesetze auf. Ziel der neuen Regeln: Steuerminderung und bessere Umsetzbarkeit. Neu an dem Gesetz ist, die Zinsbegrenzungsregeln nach Anti Tax Avoidance Directive 1 (ATAD 1) effektiver umzusetzen und zugleich bereits bestehende Maßnahmen zu präzisieren. Die ATAD 1 sieht vor, dass sich Zinszahlungen zwischen verbundenen Unternehmen weniger steuermindernd auswirken. Steuersparmodelle großer Konzerne werden so eingedämmt.

Experten sehen mehr Fairness bei der Körperschaftssteuer

Bereits die einfache Senkung der Körperschaftssteuer bewirkt für Unternehmen in Luxemburg einiges: Die effektive Steuerlast für betroffene Unternehmen sinkt 2019 auf 24,94 Prozent von zuvor 26,01 Prozent. Doch die Regelungen umfassen vor allem für kleinere Unternehmen weitere Entlastungen. Bereits seit 2017 müssen diese lediglich einen Körperschaftssteuersatz von 15 Prozent bezahlen. Bislang galt dies für Unternehmen mit einer Steuerbemessungsgrundlage von bis zu 25.000 Euro. Diese Grenze wurde nun auf 175.000 Euro angehoben. Für Unternehmen mit einer Steuerbemessungsgrundlage bis 200.001 Euro gilt ebenfalls nicht der volle Körperschaftssteuersatz. Die Berechnung der jeweiligen Steuerlast erfolgt dann individuell anhand konkreter Zahlen.

Um die Zinsbegrenzungsregeln nach ATAD 1 noch effizienter und gerechter anwenden zu können, umfasst die Gesetzesnovelle auch den neuen Artikel 164bis. Dieser sieht vor, dass steuerpflichtige Unternehmen wie bislang auch für jedes Steuerjahr eine Erklärung abgeben müssen. Darüber hinaus sind aber zusätzliche Angaben zu machen: Dazu gehören die Summe des zu versteuernden Nettoeinkommens vor Sonderaufwendungen, Verlustvorträge und die Anwendung der Zinsbegrenzungsregeln sowie die Angabe abzugsfähiger Fremdkapitalkosten, Zinserträge, befreites Einkommen und andere abzugsfähige Abschreibungen und Wertminderungen. Dies hat die Folge, dass Verluste mit den Gewinnen von Unternehmen in jedem Jahr verrechnet werden müssen. Steuerexperten sehen darin einen Schritt zu mehr Fairness bei der Anwendung der Maßnahmen der ATAD 1. Zwar werden so die Spielräume geringer, Unternehmen wissen aber auch besser, woran sie sind.

Moderne Steuergesetze – mehr als der reine Steuersatz

Doch was bedeutet so eine Steuerreform eigentlich empirisch gesehen? Wie aktuelle Berechnungen von Ökonomen aus Harvard und Chicago zeigen, bremsen hohe Steuern die Innovationskraft. Dabei wurden Korrelationen zwischen Steuersätzen und der Anzahl der angemeldeten Patente untersucht. Steigt der Spitzensteuersatz der Unternehmenssteuer um einen Prozentpunkt, geht die Zahl der neuen Patente um 1,2 Prozent zurück, so die Untersuchung. Dies sei unterm Strich negativ, da Innovationen in der Wissensgesellschaft wichtige Treiber der volkswirtschaftlichen Entwicklung seien. Glaubt man der Untersuchung der Wissenschaftler, müsste sich Deutschland an Luxemburg ein Beispiel nehmen und die Körperschaftssteuer ebenfalls reformieren. Dass es dabei um mehr gehen kann als den reinen Steuersatz, zeigen die Änderungen Luxemburgs im Detail. Auch die Tatsache, dass die Steuerlast für Unternehmen in Luxemburg effektiv gesehen noch immer über dem europäischen Mittel von 21,9 Prozent liegt, gibt einen Hinweis darauf, dass es bei moderner Steuergesetzgebung um mehr gehen könnte als den Steuersatz.

Was Deutschland von Luxemburg lernen kann, erklärt Sven Ulbrich, CEO der CAPSENSIXX AG im Video.



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