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Digitalisierung und alte Strukturen – so geht das zusammen

Wie ist das eigentlich, wenn Digitalisierung auf alte Strukturen trifft? Sind Unternehmen heute bereit für das, was auf sie zukommt? Studien zeigen trotz einiger Hemmnisse auch Chancen auf. Vor allem der Mittelstand könnte zum Vorbild werden.

Für die Studie „Digitale Transformation 2018“ des Beratungsunternehmens etventure wurden Entscheidungsträger von 2.000 deutschen Großunternehmen befragt. Der Grundtenor: Die Befragten sehen sehr wohl die Folgen der Digitalisierung, sehen sich selbst oder das eigene Unternehmen aber nicht so stark davon betroffen. Deutlich wird das beispielsweise an der Frage nach der stärksten Wettbewerbs-Bedrohung: 71 Prozent sehen die Konkurrenz in erster Linie in der eigenen Branche. Nur 22 Prozent sehen in großen Tech-Unternehmen wie Google oder Amazon eine Bedrohung. Nur ganze sieben Prozent nehmen junge Startups ernst. Auch die Angaben zur Frage, ob sich die eigene Branche oder das eigene Geschäftsmodell im Zuge der Digitalisierung stark oder sehr stark wandeln werden, sprechen eine klare Sprache: Nur 21 Prozent sehen einen starken oder sehr starken Wandel für das eigene Geschäftsmodell. Für die eigene Branche sind es immerhin 49 Prozent.

Bastion gegen den Wandel – bestehende Strukturen aufbrechen

Wenn es um Hemmnisse für den Digitalisierungsprozess geht, sehen 58 Prozent den Hang zur "Verteidigung bestehender Strukturen" als besonders großes Problem. 51 Prozent der befragten Führungskräfte nennen "fehlende Erfahrung beim nutzerzentrierten Vorgehen" als Hemmnis. 48 Prozent der Befragten klagen über "blockierende Sicherheitsanforderungen". Weitere Nennungen zu dieser Frage: "Zeitmangel" (44%), "zu festgefahren im jeweiligen Bereich" (39%), "Unternehmen ist zu unflexibel und langsam geworden" (37%), "zu viele Entscheidungsebenen" (34%) und "Scheu vor disruptiven, weitreichenden Entscheidungen" (32%).

Obwohl die meistgenannten Hemmnisse vermuten lassen, dass insbesondere Qualifikation und mangelnder Veränderungswille auf Seiten der Mitarbeiter Ursache für eine stotternde digitale Transformation sein können, sind auch Führungskräfte auf allen Ebenen in der Pflicht. Punkte wie Zeitmangel oder auch zu viele Entscheidungsebenen müssen von Verantwortlichen Managern adressiert werden. Auch die fehlende Erfahrung beim nutzerzentrierten Vorgehen ist eine Frage der Qualifikation und sollte bei Verantwortlichen unbedingt auf die Agenda.

Größtes Hindernis der Digitalisierung ist die Verteidigung bestehender Strukturen. Hier dürften sowohl Mitarbeiter als auch Führungskräfte Teil des Problems und auch Teil der Lösung sein. Beim Zukunfts-Kongress Hinterland-of-Things betonten Unternehmenslenker und Berater unisono, dass die interne Kommunikation der entscheidender Faktor ist, um bestehende Strukturen aufzubrechen und Raum für Veränderungen zu schaffen. Es komme darauf an, Mitarbeiter mitzunehmen.

Mittelstand macht Hoffnung

Dass mindestens der Mittelstand in der deutschen Wirtschaft diesbezüglich möglicherweise bereits auf einem guten Weg ist, lässt die Untersuchung „Digitalisierung und Mittelstand 2018“ der IUBH Internationale Hochschule hoffen: Dazu wurden 121 mittelständische Führungskräfte befragt. Insbesondere im häufig als angestaubt wahrgenommenen Mittelstand glauben 57 Prozent der Führungskräfte, dass Wandel eine unabwendbare Anforderung an das eigene Unternehmen ist. Weitere vierzig Prozent gehen davon aus, dass sie ihren Mitarbeitern Raum für eigenverantwortliches Handeln geben und dass eine offene Fehlerkultur im Unternehmen gelebt wird. Weitere 22,5 Prozent geben an, Entscheidungen im Unternehmen würden partizipativ getroffen.

Um Mitarbeiter mitzunehmen und die Story von einem gemeinsamen digitalen Wandel plausibel zu machen, sind das gute Voraussetzungen. Um diese Kultur auch in Konzerne zu tragen, dürfte es in erster Linie auf den Abbau von Entscheidungsebenen und schlankere Prozesse ankommen. Wie ausgewiesene Experten rund um Digitalisierung und Innovation das Thema sehen und welche Rolle Kommunikation und Qualifikation dabei spielt, erfahren Sie nächste Woche in unserer NewsBoXX und in Kürze in unseren Interviews von der Hinterland-of-Things.



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