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Vermögensverwalter jagen Banken Kunden ab? Die Kundenorientierung entscheidet.

"Vermögensverwalter jagen Banken Kunden ab" - auf diese Schlagzeile ist das cxx-Redaktionsteam bei den aktuellen Recherchen gestoßen. Ist das wirklich so? Wir haben dazu Experte Sven Ulbrich (Capsensixx AG) im Video befragt und für unseren Blog-Artikel mit Prof. Dr. Webersinke (Leiter Institut für Vermögensverwaltung) ein Hintergrundgespräch geführt...

 

Prof. Dr. Webersinke ist Dekan der Fakultät Wirtschaft und Recht an der Hochschule Aschaffenburg und Leiter des Instituts für Vermögensverwaltung. Regelmäßig befragen er und sein Team Vermögensverwalter zum laufenden Geschäft. Das jüngste Fazit der Branche fiel sehr zuversichtlich aus. Im Interview spricht Prof. Webersinke über die Konkurrenz zwischen Banken und Vermögensverwaltern und wie die Digitalisierung beiden Seiten helfen kann.

Das Private Banking Magazin titelte jüngst „Vermögensverwalter jagen Banken Kunden ab“. Wie plakativ fanden Sie das selbst?

Die Überschrift ist sicher ein wenig zuspitzend. Dennoch muss man sagen, dass die Teilbranche der unabhängigen Vermögensverwalter seit jeher mit den Banken um die Gunst der Kunden konkurriert. Im Vergleich mit der Schweiz oder Großbritannien ist der Marktanteil der Vermögensverwalter aber noch immer sehr gering – aktuell dürfte er zwischen vier und sechs Prozent liegen. Eine Wachablösung der Banken ist das noch nicht.

Ist das Schema der Banken auf der einen und der Vermögensverwalter auf der anderen Seite überhaupt noch zeitgemäß?

Nein. Diese Unterscheidung ist holzschnittartig. Die im Rahmen unserer Studie untersuchten unabhängigen Vermögensverwalter sind eine sehr heterogene Gruppe. Es gibt viele spezialisierte kleine Häuser, aber auch die ganz großen wie DJE Kapital AG oder Flossbach von Storch AG. Diese großen Vermögensverwalter sehen sich selbst eher als Fondsanbieter. Auch auf Seiten der Banken finden wir unterschiedliche Unternehmen vor. Es gibt sie noch, die hohe Abhängigkeit von eigenen Produkten. Es gibt aber auch viele Privatbanken, die Kunden viel individueller betreuen. Vielleicht wäre es angebracht, zwischen Konfektionsware und maßgeschneiderten Lösungen zu unterscheiden.

Für wie herausfordernd sehen Sie das Umfeld für Banken?

Einfach ist die derzeitige Lage angesichts der Niedrigzinsphase und der regulatorischen Rahmenbedingungen nicht.  In dem Zusammenhang ist es verständlich, dass Banken beim Private-Wealth-Management den Rotstift ansetzen und sich fragen, ob sich das Ganze noch rechnet. Vor allem, da seit MiFID 2 die Stückkosten sogar noch gestiegen sind.

Sehen Sie Lösungen?

Die digitale Vermögensverwaltung eröffnet Banken und kleinen Vermögensverwaltern große Chancen. Robo Advisory kann dabei helfen, Kosten zu senken und dennoch Kunden individuelle Lösungen zu bieten. Zentral ist für mich die kundenorientierte Beratung. Auf diese Weise können Banken und Vermögensverwalter zugleich Marktanteile gewinnen. Qualität setzt sich am Ende durch.

Wie bedroht sind kleine Vermögensverwalter? Ist die Angst vorm Niedergang vieler kleiner Häuser passé?

Wir führen unsere Studie seit fünf Jahren durch und haben immer wieder problematisiert, dass Regulierung die optimale Betriebsgröße für Vermögensverwalter erhöht. In der Praxis haben viele kleine Häuser Lösungen gefunden. Dank langjähriger Kundenbeziehungen werden kleine Vermögensverwalter gemeinsam mit ihren Kunden alt und kümmern sich nicht so sehr um die Akquisition neuer Mandate. Zwar sorgt die Regulierung für Mehraufwand von bis zu zwanzig Prozent der Arbeitsbelastung, doch können dies kleine Häuser gerade noch stemmen.

Könnte Outsourcing eine Antwort auf den regulatorischen Druck sein?

Definitiv. Die Pflichten aus MiFID 2, beispielsweise im Berichtswesen, rufen geradezu nach Automatisierung. Vor allem im Bereich der Formalitäten könnten sich kleinere Vermögensverwalter Unterstützung suchen, um sich auf das Wesentliche fokussieren zu können. Das Wesentliche ist die Vermögensverwaltung und die Beziehung zum Kunden. Gerade in diesen Bereichen sind kleine Häuser oft sehr gut aufgestellt und überzeugen ihre Kunden. Unliebsame Aufgaben kostengünstig und rechtssicher abgeben zu können, würde vielen kleinen Vermögensverwaltern helfen.

Um zur Ausgangslage zurückzukommen. Sie als Leiter des Instituts für Vermögensverwaltung: Wo haben Banken gegenüber Vermögensverwaltern denn die Nase vorn?

Überall da, wo Skaleneffekte zum Tragen kommen. Eine Bank, welche die Regulierung im Griff und eine gute IT hat, kann über höhere Stückzahlen Vorteile ausspielen. Dass Banken heute im Umbruch sind und als margenschwach wahrgenommen werden, hat eher mit den Altlasten, denn mit aktuellen Themen zu tun. Im Prinzip lässt es sich für Banken mit standardisierten Produkten wunderbar arbeiten. Die Institute müssen nur die Kurve zum Kunden bekommen und lernen, langfristiger zu denken, statt nur an die nächsten Quartalszahlen.



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