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Verbriefungen: Daten sind nicht alles

Der Verbriefungsmarkt wächst. Nicht zuletzt haben Daten dazu beigetragen, dass Investoren die Instrumente heute als transparenter wahrnehmen als noch vor zehn Jahren. Doch Daten sind nicht alles. Worauf es bei Verbriefungen noch ankommt.

Verbriefungen sind aus den Portfolios institutioneller Anleger kaum wegzudenken. Vor allem die Regulierung nach der Finanzkrise und die gesteigerte Transparenz haben den Instrumenten ein schnelles Comeback beschert. Noch vor zehn Jahren stocherten Investoren, die sich über die Bestandteile einer Verbriefung informieren wollten, weitgehend im Dunkeln. Heute sieht das anders aus: Zahlungsverzüge sind bis zum kleinsten Schuldner einsehbar. Investoren können ihr Risiko dynamisch überwachen und wissen so täglich, woran sie mit ihrer Verbriefung sind. Kein Wunder, dass die Rating-Agentur Standard & Poor’s in dem Markt ein Billionen-Potenzial sieht. Doch sind Daten allein wirklich der Schlüssel zu einem Verbriefungs-Markt ohne systemische Risiken?

Die Idee, Investoren mit Detailinformationen rund um Schuldner und Kredite zu versorgen, ist nicht neu. In den USA waren bereits zu Zeiten der Finanzkrise zahlreiche Detailinformationen über Informationssysteme, wie beispielsweise Bloomberg, abrufbar. Das ging damals so weit, dass man sehen konnte, ob Schuldner XY in Orlando, Florida seinen Autokredit für einen Cadillac oder einen Mercedes abgeschlossen hat. Verhindert hat diese Datenflut die Finanzkrise trotzdem nicht. Doch daraus zu schließen, dass heute dieselben Risiken bestehen, wie vor mehr als zehn Jahren, wäre ebenfalls falsch.

Der europäische Verbriefungsmarkt ist heute stärker reguliert. Neben einem umfassenden Angebot an Informationen verpflichtet der Gesetzgeber heute Originatoren und Investoren gleichermaßen. Während Originatoren Informationen zur Verfügung stellen müssen und Verbriefungen in der Regel als Co-Investoren begleiten, sind Investoren dazu verpflichtet, bestimmte Kompetenzen im Umgang mit Kreditrisiken nachzuweisen. Wer heute in Verbriefungen investiert, muss also belegen, dass er die zahlreichen Daten auch interpretieren und für seine Anlagestrategie die geeigneten Konsequenzen ziehen kann. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass Investoren sich schleichend entwickelnde Risiken erkennen und entsprechend handeln können.

Dass Investoren heute für Risiken stärker sensibilisiert sind, zeigt auch eine Marktentwicklung, die sich unmittelbar nach der Finanzkrise gezeigt hat: War es vor mehr als zehn Jahren noch üblich, dass Kreditpakete mehrfach verbrieft wurden, um Risikokennzahlen zu optimieren, so ist mit dieser Praxis heute am Markt kein Stich mehr zu machen. Investoren machen um mehrfach umverpackte Kreditpakete einen Bogen und lehnen sie ab. Die Folge: Diese zu Recht mit Massenvernichtungswaffen verglichenen Instrumente sind vom Markt verschwunden – selbst ohne Regulierung.

Obwohl sich Verbriefungen bei institutionellen Investoren aufgrund des anhaltenden Anlagenotstandes bereits heute großer Beliebtheit erfreuen, gibt es immer wieder Initiativen, die Instrumente neuen Anlegern schmackhaft zu machen. Dabei spielen oft Daten eine Rolle. Aufgrund von Informationen von Facebook und Co. sollen Kreditrisiken noch besser abgeschätzt werden können als heute. Diese Ansätze mögen aus technologischer Sicht interessant sein, sind aber wenig praktikabel: Statt mit noch mehr Daten eine Sicherheits-Illusion zu erzeugen, sollten interessierte Investoren besser wie von der Aufsicht vorgeschrieben, grundlegendes Wissen rund um die Kreditmärkte aufbauen. So gelingt es auch auf Basis der bestehenden Daten, Risiken einzuschätzen und mit Hilfe von Verbriefungen Portfolioziele zu erreichen. Die Voraussetzungen dafür sind gut.



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