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Geschichte der Blockchain: Vom Nerd-Projekt zum Hoffnungsträger

Die Finanzbranche wird digital. Kaum ein Strategiepapier, kein Zusammenschluss zweier Unternehmen steht heute nicht unter dem Stern der Digitalisierung. Vor allem Blockchain gilt in der Branche als „das nächste große Ding“. Während sich die Redaktion von CXX.World auf der CRYPTO Assets Konferenz den Themen von morgen widmet, blicken wir an dieser Stelle noch einmal zurück: die Meilensteine der Entwicklung von Blockchain.

Im Jahr, als „I will Survive“ von Gloria Gaynor, „Tragedy“ von den BeeGees oder „YMCA“ von den Village People die Charts stürmten, legt der US-amerikanische Krypto-Pionier Ralph C. Merkle mit seinem Prinzip der Hashbäume einen Grundstein für Blockchain. Diese Hashbäume werden auch „Merkle-Trees“ genannt und sind eine Datenstruktur aus Hash-Werten, beispielsweise von Dateien. Hash-Werte sind Prüfsummen, die es erlauben, eine Datei eindeutig zu identifizieren und Veränderungen an ihr zu erkennen. Die Erfindung der Merkle-Trees im Jahr 1979 war also eine wichtige Voraussetzung für heutige Blockchains wie Bitcoin oder Ethereum.

Kryptologen legten den Grundstein für Blockchain

Merkles Arbeit inspirierte in den weiteren Jahren andere Kryptologen: 1983 veröffentlichte Davis Chaum eine Arbeit, in der er eine anonyme elektronische Währung vorstellte. Die Idee fand zunächst nur in Fachkreisen Anklang und es dauerte bis Mitte der 1990er Jahre, bis Chaums Arbeit Früchte tragen sollte, wenn auch nur zeitweise. 1995 setzte die Mark Twain Bank das Konzept in Form von DigiCash kurzzeitig um, scheiterte aber am geringen Interesse der Nutzer. Zwar begann Mitte der 1990er Jahre der Siegeszug des Internets, doch blieben Themen wie Privatsphäre und Sicherheit in der Nische.

Bereits wenige Jahre zuvor entwickelte sich der Vorläufer des Konzepts Blockchain weiter: 1991 beschrieben die Forscher Stuart Haber und W. Scott Stornetta ein Verfahren, mit dem digitale Dokumente Zeitstempel erhielten, die nachträglich nicht manipulierbar waren. Im nächsten Schritt implementierten die beiden Forscher auch „Merkle-Trees“ und sorgten so 1992 dafür, dass der erste Prototyp der Blockchain noch effektiver funktionierte. Doch was in der Theorie als Erfolg galt, setzte sich in der Praxis nicht durch. Das Verfahren kam nie zum Einsatz. 2004, vier Jahre vor der Gründung von Bitcoin, erlosch das zugehörige Patent.

2008: Lehman-Pleite und Bitcoin-Gründung

Unter Kryptologen und Nerds entwickelten sich die Ideen rund um dezentrale Netzwerke aber weiter. Zwischen 1997 und 2005 kamen weitere Ideen auf, wie die Technologie zur Schaffung von digitalem Geld nutzbar sein kann. Forscher wie Adam Back, Wie Dai und Hal Finney legten den Grundstein für die Idee des Proof-of-Work, einem Konzept, das heute für Kryptowährungen noch immer gilt. Dieses besagt, dass die Kosten zur Validierung von Transaktionen durch erschwerte Rechenoperationen hoch gehalten werden müssen und dass diejenigen, die an einer Validierung beteiligt waren, belohnt werden. Diese Ideen sind sozusagen der Grundstein des heutigen Minings, also der Schaffung von neuen Einheiten einer Kryptowährung mittels der Validierung von Transaktionen innerhalb der Blockchain.

Ende Oktober 2008 und damit nur einen Monat nachdem die US-Bank Lehman Brothers in die Pleite rutschte und die weltweite Finanzkrise auslöste, meldete sich eine Person oder Gruppe unter dem Pseudonym „Satoshi Nakamoto“ und veröffentlichte das Dokument „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System“. Einen Monat später wurde die zugehörige Software für jeden frei zugänglich und einsehbar ins Netz gestellt. In den folgenden Jahren sorgte auch der Eindruck der Finanzkrise und deren Folgen dafür, dass sich das Konzept Bitcoin herumsprach. 2010 war ein Bitcoin bereits 0,08 Dollar wert – zur damaligen Zeit ein Achtungserfolg.

Im Lauf der Jahre kletterte der Bitcoin-Kurs, vervielfachte sich und weitere Währungen kamen dazu. Die Bekannteste ist Ether, die Währung des 2013 gestarteten Projekts Ethereum. Ethereum ist mehr als eine Digitalwährung und erlaubt es, Smart Contracts in ihrer Blockchain auszuführen. Das sind kleine Programme, die an bestimmte Bedingungen geknüpft automatisiert und nicht manipulierbar Transaktionen ausführen. So sollen in Zukunft Makler und andere Vermittler, die heute noch Geschäfte überwachen, überflüssig werden. Auch soll die Sicherheit steigen.

Blockchain vor entscheidendem Praxistest

Die Kombination aus digitalen Währungen und Smart Contracts wird die Zukunft der Blockchain-Technologie und auch deren Anwendbarkeit bestimmen. Banken investieren heute schon kräftig in neue Projekte rund um Blockchain. Aktuell tun sich die Regulierungsbehörden noch schwer, die Verfahren zuzulassen. Doch auch in diesem Bereich gibt es zunehmend Fortschritte. Blockchain ist von einem wissenschaftlichen Projekt vieler Experten und Nerds zu einem Massenphänomen geworden. Nach den Kurs-Exzessen rund um Blockchain und Co. Ende 2017 steht der Technologie der wahre Praxistest erst noch bevor.



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